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Am Dülmen
Wir befinden uns hier "Am Dülmen", eine Bezeichnung für
diese Gemarkung hier in Obrighoven, die über Jahrhunderte allgemein bekannt war.
Vermutlich wurde ein Hof hier in der Nähe, der Dülmer Hof, früher
Peddenbergs Hof genannt. Der Peddenbergs Hof wird bereits in einer Dienstzettel Liste der Clever Grafen von Anno 1661 erwähnt.
Bei der Aufstellung des "Clever Urkatasters" im Jahre
1733 war dieser Hof mehr als 22 Morgen groß und lag an der Allmende, dem Gemeindeeigentum der Bauernschaft Obrighoven, der "Gemeynen Obrighovener Heide", später auch Dülmer Heide genannt. Die Bauernschaft
Obrighoven besaß neben diesen recht großen Allmenden noch Berechtigungen am Weseler Wald.
Nach mehrmaligen Ansätzen wurde das Gemeineigentum mit einem Receß
aus dem Jahre 1823 endgültig aufgeteilt und dem Dülmer Hof wurden auf Grund seiner Anrechte 94 Morgen aus diesem Gemeinbesitz zugeteilt. Eigentümer waren damals die Gebrüder Kriminalrichter und Medicus - Chirurg
Hartmann, die den Hof nicht selbst bearbeiteten oder bewirtschafteten, sondern verpachtet hatten.
Nach der Gemeinheitsaufteilung wurden aus diesem Besitz mehrere
Grundstücke verkauft, auf denen sich Ackersleute ansiedelten. Auch diese Ackersleute wären nicht in allen Fällen Grundeigentümer, sondern zunächst Pächter von kleineren Parzellen, auf denen sie sich ein Häuser
bauten, die dann dem Grundeigentümer so viel Sicherheit boten, daß sie die Grundstücke an die Pächter verkauften, den Kaufpreis aber als zinspflichtiges Darlehn im Grundbuch vermerken ließen. Die Grundstücke in
diesem Bereich waren vermutlich begehrt, weil sie am Schnittpunkt des Weges nach Schermbeck und dem Veenhäuser - und Grünen Weg lagen.
Auf dem Grundstück, auf dem wir uns hier befanden den, damals
Obrighoven Nr. 35/1, wohnte der Chausseegeld Empfänger. Nach dem Ausbau von Verkehrswegen zu Chausseen, ausgebauten und befestigten Straßen nach französischem Muster, mußte für die Benutzung ab etwa 1840 ein
Wegegeld nach dem Chausseegeld = Tarif entrichtet werden. Somit kann davon ausgegangen werden, daß dieses Grundstück um diese Zeit erstmalig bebaut wurde. Bei Einwohneraufnahmen von 1855 und 1858 wird als Beruf
»Chausseegeld Empfänger« angegeben.
Das Grundstück für die Dülmer Schule, die Anno 1855 auf dem
Nachbargrundstück errichtet wurde, hatte der Bauer Krebber / Breer gestiftet. Da der Grundbesitz vom Breers Hof zu weit abseits lag, fand ein Grundstückstausch statt.
Das Friedenswäldchen als Erinnerung an die Befreiung von 1814 lag
inmitten der Dülmer Heide. Bei der Gemeinheitsaufteilung hatte man vergessen, diese Fläche aus der aufzuteilenden Fläche herauszurechnen. Der nachmalige Eigentümer, der Bürgermeister der Stadt Wesel, Kaufmann Emkes,
hat das Grundstück dann für das Friedenswäldchen gestiftet, mit der Auflage, daß es von der Gemeinde gepflegt würde. 1913 ist dort das jetzt noch vorhandene Denkmal errichtet worden.
Im August 1882 fand eine außerordentliche Generalversammlung der
Vieh = Assecuranz = Gesellschaft zu Obrighoven, der "Kuhlade", im Lokale Drost statt. Damit ist bewiesen, daß spätestens zu dieser Zeit hier an dieser Stelle bereits Gäste bewirtet wurden. Auch eine
Schmiede wurde betrieben.
Bei der Einwohneraufnahme von 1909 ist der Eigentümer Ackerer und Wirt.
Das jetzige Haus ist 1913 gebaut worden und wurde 1996 in die
Denkmalliste der Stadt Wesel aufgenommen, weil es "Zeugnis des gehobenen Bürgertums" ablegt.
1931 ist der Eigentümer Wilhelm Schulte, Schmiedemeister und Wirt.
In dem Raum rechts von dem ehemaligen Eingang an der Frontseite befand sich ein Kolonialwarenladen, eben ein "Tante Emma - Laden".
In Schultes Saal fanden "Bälle" statt. Der
"Tanzmeister" sammelte während der Tanzpausen den Tanzgroschen ein. Zahlreiche Majestäten, Königinnen und Könige von Obrighoven wurden hier gekrönt. Nach der Festschrift 150 Jahre Schützenverein
Obrighoven, 1833 - 1983, fand das Schützenfest im Jahre 1921 wiederum bei Schulte am Dülmen statt, nachdem das Vogelschießen auf dem Hof Klammer am Wittenberg ausgetragen wurde. Das Schützenfest im August des Jahres
1939 konnte nicht im Saal Schulte stattfinden, weil der als Getreidelager verwendet wurde. Die Kriegsvorbereitungen waren in vollem Gange.
Nach der Besetzung richteten die Briten 1945 in dem Saal eine
Verstärkerstelle für Fernkabelverbindungen im Fernsprech- und Telegraphen Dienst ein. Die technischen Einrichtungen wurden von der Deutschen Post übernommen. Nach der Errichtung eines Sendemastes wurde hier um 1953
auch die erste Funkstelle für den "Rheinfink" betrieben.
Diese gastliche Stätte ist 1998 nach umfangreichen Umbaumaßnahmen
eingerichtet worden.
Nachdem Sie sich so tapfer durch die Geschichte gelesen haben,
wünschen wir Ihnen im Haus Waldhof bei Internationaler Küche "Guten Appetit" und freuen uns auf Ihren nächsten Besuch.
Aufgestellt von Kurt Grater, geboren in Obrighoven, jetzt in Lackhausen wohnhaft
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